Gin-Genuss ohne Reue und Nachwirkungen bei Jürgen Bachmann

Braucht Monkey einen Partner? Und mit wem verträgt er sich am besten? Diese Frage beantwortet Jürgen Bachmann bei seinen Gin-Themenabenden. „Für viele Kollegen ist Monkey 47 der beste Gin der Welt“, sagt der Barkeeper über das aus 47 Kräutern komponierte Edelgetränk, das nicht etwa aus England, sondern aus dem Schwarzwald stammt und in einer braunen Apothekerflasche verkauft wird.

 

Bachmann versammelt Interessenten in seinem kleinen Laden in der Meraner Straße zu einer Ginverkostung. Der Tisch ist reichlich mit Erlesenem gedeckt: Salami, Tiroler Speck, kalter Kasseler, Käse, Oliven, Baguettes und gesalzene Butter aus der Normandie sorgen für die nötige Grundlage. Sie soll verhindern, dass die Gäste unter den Tisch sinken und am Morgen danach unter Nachwirkungen leiden. Schließlich kredenzt der 66-jährige Barmann fünf exquisite Hochprozenter, und zwar erst pur und dann mit diversen Tonic-Waters gemixt.

 

Der Abend folgt einer liebevoll überlegten Dramaturgie, und zu den Drinks liefert Bachmann Wissenswertes aus der Welt des Gins. „Wegen des Geschmacks gibt es richtige Glaubenskriege“, erzählt der gebürtige Schleswig-Holsteiner aus der Zunft der Barkeeper. „Viele Kollegen halten den beim Publikum geschätztenTanqueray Rangpur Gin allenfalls für einen allerdings exquisiten Zitronen-Wodka.“ Mit 31 hängte der 66-jährige Lebenskünstler seinen Beruf als Grundschullehrer mit Beamtenstatus an den Nagel. Seine selbst gefertigten Lederbörsen und das Mixen von Cocktails passten besser zu ihm als starre Lehrpläne.

 

Besonders beliebt ist ein Sundowner, den Gastgeber Bachmann aus Rangpur mit Schweppes gemixt hat. Serviert wird der Cocktail in bauchigen Stilgläsern mit einer Grapefruit und einem großen Eiswürfel. Gemundet hat auch ein mediterraner Mix aus Gin Mare, der an der Costa Dorade in kleinen Batches hergestellt wird, und in dem sich zudem das Aroma eines frischen Rosmarinzweigs entfaltete. Und Monkey 47 - harmoniert am besten mit „höchstens zwei Zentimetern Fever tree, sonst geht er baden“, empfiehlt Bachmann.

 

Wilhelm von Oranien brachte den in den Niederlanden noch immer als Genever geliebten Schnaps 1689 bei seiner Thronbesteigung nach England mit. Weil den Insulanern das Wort Genever nicht über die Zunge ging, wurde daraus Gin. Eine seiner größten Liebhaberinnen war die 2002 im Alter von 101 Jahren gestorbene Queen Mum. Die Mutter von Königin Elizabeth II. soll pro Tag mindestens zwei Gin Tonic geschlürft haben. Weil sie – möglicherweise infolge des Gin-Konsums – mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hielt, war trinkfeste Lady lange Jahre das populärste Mitglied der britischen Königsfamilie.

 

Apropos Familie: Bachmanns Sohn Leon ist mittlerweile in die Fußstapfen des Vaters getreten, der in der Meraner Straße auch seine Ledersachen verkauft. Der junge Bachmann hat sich erste Meriten nicht nur an der Seite des Seniors erworben, sondern auch Passagiere des Kreuzfahrschiffs „Aida“ mit bekannten und selbst komponierten Cocktails erfreut.

Volker Warkentin

7. Mai 2015